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Ein architektonisches Juwel…

Das ALT ist eines der traditionsreichsten archäologischen Museen Deutschlands.
Aber wer kennt schon seine architektonische Bedeutung innerhalb des spätbarocken und klassizistischen Weimarer Baugeschehens ?

Ein bürgerliches Stadtpalais vor den Toren der Stadt

Eher als Palast mit Gar­ten denn als ein rei­nes Wohn­haus, wurde das heu­tige Muse­ums­ge­bäude ab 1790 unter Lei­tung des umtrie­bi­gen Bau­un­ter­neh­mers Anton Georg Haupt­mann (1735−1803) nach einem Riss des Bau­kon­trol­leurs, Land­bau­meis­ters und spä­ter zum Bau­meis­ter ernann­ten Johann Fried­rich Rudolph Stei­ner (1742−1804)  errich­tet.

Ein bemer­kens­wer­tes und denk­mal­ge­schütz­tes Gebäude, das als eines der ers­ten und größ­ten bür­ger­li­chen Wohn­häu­ser Wei­mars gilt, die in neuer, zunächst von fürst­li­cher Seite aus ein­set­zen­der hoch­klas­si­zis­ti­scher Bau­ge­sin­nung erbaut wurde.
Ursprüng­lich noch vor den Toren der süd­li­chen Wei­ma­rer Alt­stadt, wurde es als groß­zü­gi­ges Stadt­pa­lais mit Park­an­lage auf zuvor freiem Gelände auf­ge­führt.
Zur Park­an­lage zählte die heute als Poseck’scher Gar­ten benannte Grün­flä­che, die sich, für die noch barock geprägte Zeit unge­wöhn­lich, seit­lich an das Gebäude anlehnt.

Vorbote klassizistischer Baugesinnung

Das gesamte Palais fügt sich aus einem mit stei­lem Walm­dach ver­se­he­nen Haupt­haus, dem sich recht­wink­lig zwei zwei­ge­schos­sige Sei­ten­flü­gel anglie­dern, die einen Innen­hof umschlie­ßen. Anders als bei baro­cken Palais, die sich gewöhn­lich zu einem Park hin öff­ne­ten, ori­en­tiert sich die Schau­seite des Gebäu­des zur Straße : Leicht aus­ge­schwenkt, weist sie zur heu­ti­gen Hum­boldt- , dama­li­gen Lui­sen­straße hin, bereits ganz im Sinne bür­ger­li­cher Stadt­häu­ser.
Sowohl Grund­riss-, als auch Fas­sa­den­ge­stal­tung der drei­flü­ge­li­gen Anlage folg­ten stren­gen sym­me­tri­schen Prin­zi­pien und neh­men damit die sei­ner­zeit neue klas­si­zis­ti­sche Mode bereits vor­weg.
Reprä­sen­ta­tiv prägt das drei­ge­schos­sige Gebäude bis heute mit sei­ner zwöl­fach­si­gen, spie­gel­bild­lich ange­leg­ten Haupt­fas­sade das Stadt­bild am Rande der süd­li­chen Alt­stadt. Ihr Mit­tel­ri­sa­lit, der die statt­li­che, pilas­ter­flan­kierte Tor­ein­fahrt auf­nimmt, wird von einem Fron­tispitz bekrönt. Hori­zon­ta­len Gegen­part bil­den geschoss­tren­nende Gurt­ge­simse unter den schlicht in die Fas­sade ein­schnei­den­den hoch­recht­ecki­gen Fens­tern. Im Ober­ge­schoss ursprüng­lich von Fest­ons, heute von Archi­tra­ven, über­fan­gen, ver­wie­sen sie hier die auf die eins­tige Bel­etage.

Historische Raumnutzung

Sämt­li­che Erd­ge­schoss­räume waren ihrer Bestim­mung nach zunächst Wirt­schafts-, Stall- und Neben­ge­lasse. Die heute als Foyer genutzte, ehe­ma­li­gen Tor­durch­fahrt war einst für Fuß­gän­ger und Gespanne gedacht. Noch heute ver­bin­det sie die Hum­boldt-und Ama­li­en­straße über den Innen­hof mit­ein­an­der.
Bevor im 20. Jahr­hun­dert die Räum­lich­kei­ten durch Muse­ums­ein­bau­ten ver­än­dert wur­den, wurde im Ober­ge­schoss, in der reprä­sen­ta­ti­ven Bel­etage, herr­schaft­lich gewohnt.

Grundrissgestaltung

Nur aus dem his­to­ri­schen Grund­riss ist noch die alte, spie­gel­bild­lich arran­gierte Raum­folge zu ent­neh­men : So zeigt sich im Ober­ge­schos­ses ein sechs mal zehn Meter gro­ßer, nach außen durch den Risa­lit ver­mit­tel­ter Saal, zu des­sen bei­den Sei­ten je zwei Stu­ben ange­ord­net waren. Ein hof­sei­ti­ger Gang umschloss das Trep­pen­haus und ver­band die Räume mit­ein­an­der. Er setzte sich in die Sei­ten­flü­gel fort und bil­dete auf diese Weise ein zusam­men­hän­gen­des Kor­ri­dor­sys­tem aus. Eine Raum­or­ga­ni­sa­tion, mit der der unbe­kannte Archi­tekt eine bis­lang unüb­li­che Qua­li­tät schuf, die sich erst spä­ter, vor allem in Ver­wal­tungs­bau­ten der Epo­che, zei­gen sollte.

Einen Eindruck von der bedeutenden Größe und dem einstigen Repräsentationsanspruch des Palais kann der Besucher auch aktuell noch beim Betreten der Tordurchfahrt erleben :

In ihrer Weit­räu­mig­keit noch dem Barock ver­bun­den, öff­net sie sich zu bei­den Sei­ten über stei­nerne, korb­bo­gige Arka­den zum Trep­pen­haus.
Es führt über jeweils drei Läufe mit Zwi­schen­po­des­ten in die Ober­ge­schosse und mün­det dort in einen groß­zü­gi­gen Vor­raum.

Das Trep­pen­haus, eine höl­zerne Kon­struk­tion in zurück­hal­ten­der klas­si­zis­ti­scher For­men­spra­che, zeigt eine ambi­tio­nierte Gestal­tung mit höl­zern umman­tel­ten, qua­dra­ti­schen Stüt­zen mit ange­deu­te­ten Kapi­tel­len, auf denen korb­bo­gige Arka­den ruhen.

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