Ein architektonisches Juwel…

Das ALT ist eines der traditionsreichsten archäologischen Museen Deutschlands.
Aber wer kennt schon seine architektonische Bedeutung innerhalb des spätbarocken und klassizistischen Weimarer Baugeschehens?

Ein bürgerliches Stadtpalais vor den Toren der Stadt

Eher als Palast mit Garten denn als ein reines Wohnhaus, wurde das heutige Museumsgebäude ab 1790 nach Plänen eines unbekannten Architekten errichtet. Ein bemerkenswertes und denkmalgeschütztes Gebäude, das als eines der ersten und größten bürgerlichen Wohnhäuser Weimars gilt, die in neuer, zunächst von fürstlicher Seite aus einsetzender hochklassizistischer Baugesinnung erbaut wurde.
Ursprünglich noch vor den Toren der südlichen Weimarer Altstadt, wurde es als großzügiges Stadtpalais mit Parkanlage auf zuvor freiem Gelände aufgeführt.
Zur Parkanlage zählte die heute als Poseck’scher Garten benannte Grünfläche, die sich, für die noch barock geprägte Zeit ungewöhnlich, seitlich an das Gebäude anlehnt.

Vorbote klassizistischer Baugesinnung

Das gesamte Palais fügt sich aus einem mit steilem Walmdach versehenen Haupthaus, dem sich rechtwinklig zwei zweigeschossige Seitenflügel angliedern, die einen Innenhof umschließen. Anders als bei barocken Palais, die sich gewöhnlich zu einem Park hin öffneten, orientiert sich die Schauseite des Gebäudes zur Straße: Leicht ausgeschwenkt, weist sie zur heutigen Humboldt- , damaligen Luisenstraße hin, bereits ganz im Sinne bürgerlicher Stadthäuser.
Sowohl Grundriss-, als auch Fassadengestaltung der dreiflügeligen Anlage folgten strengen symmetrischen Prinzipien und nehmen damit die seinerzeit neue klassizistische Mode bereits vorweg.
Repräsentativ prägt das dreigeschossige Gebäude bis heute mit seiner zwölfachsigen, spiegelbildlich angelegten Hauptfassade das Stadtbild am Rande der südlichen Altstadt. Ihr Mittelrisalit, der die stattliche, pilasterflankierte Toreinfahrt aufnimmt, wird von einem Frontispitz bekrönt. Horizontalen Gegenpart bilden geschosstrennende Gurtgesimse unter den schlicht in die Fassade einschneidenden hochrechteckigen Fenstern. Im Obergeschoss ursprünglich von Festons, heute von Architraven, überfangen, verwiesen sie hier die auf die einstige Beletage.

Historische Raumnutzung

Sämtliche Erdgeschossräume waren ihrer Bestimmung nach zunächst Wirtschafts-, Stall- und Nebengelasse. Die heute als Foyer genutzte, ehemaligen Tordurchfahrt war einst für Fußgänger und Gespanne gedacht. Noch heute verbindet sie die Humboldt-und Amalienstraße über den Innenhof miteinander.
Bevor im 20. Jahrhundert die Räumlichkeiten durch Museumseinbauten verändert wurden, wurde im Obergeschoss, in der repräsentativen Beletage, herrschaftlich gewohnt.

Grundrissgestaltung

Nur aus dem historischen Grundriss ist noch die alte, spiegelbildlich arrangierte Raumfolge zu entnehmen: So zeigt sich im Obergeschosses ein sechs mal zehn Meter großer, nach außen durch den Risalit vermittelter Saal, zu dessen beiden Seiten je zwei Stuben angeordnet waren. Ein hofseitiger Gang umschloss das Treppenhaus und verband die Räume miteinander. Er setzte sich in die Seitenflügel fort und bildete auf diese Weise ein zusammenhängendes Korridorsystem aus. Eine Raumorganisation, mit der der unbekannte Architekt eine bislang unübliche Qualität schuf, die sich erst später, vor allem in Verwaltungsbauten der Epoche, zeigen sollte.

Einen Eindruck von der bedeutenden Größe und dem einstigen Repräsentationsanspruch des Palais kann der Besucher auch aktuell noch beim Betreten der Tordurchfahrt erleben:

In ihrer Weiträumigkeit noch dem Barock verbunden, öffnet sie sich zu beiden Seiten über steinerne, korbbogige Arkaden zum Treppenhaus.
Es führt über jeweils drei Läufe mit Zwischenpodesten in die Obergeschosse und mündet dort in einen großzügigen Vorraum.

Das Treppenhaus, eine hölzerne Konstruktion in zurückhaltender klassizistischer Formensprache, zeigt eine ambitionierte Gestaltung mit hölzern ummantelten, quadratischen Stützen mit angedeuteten Kapitellen, auf denen korbbogige Arkaden ruhen.